Wie die Nordheimer Ihren Steiner Wald vergaben

freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Verein für Heimatgeschichte Nordheim e.V.
 
Hartnäckig hielt sich bisher in Nordheim die Erzählung, dass die Gemeinde einstmals vom Landgraf von Hessen aufgefordert wurde ihm das Nest eines Kuckucks zu beschaffen. Und da die Nordheimer dazu nicht in der Lage waren, da ja der Kuckuck bekanntermaßen sein Ei immer in ein fremdes Nest legt, so hätten die Nordheimer um Ihren Landesherrn nicht zu enttäuschen, kurzerhand dem Landgrafen den Steiner Wald gegeben, in der Hoffnung, dass bestimmt ein Kuckucksnest darin sei. Soweit die Erzählung, die den Nordheimer den Spitznamen "Noordemer Kuckuck" einbrachte.

Nun fuhren acht Mitarbeiter des Vereins für Heimatgeschichte Nordheim e.V. in das Hessische Staatsarchiv nach Darmstadt, um neben anderen Archivalien, die den Erweiterungsbau der Kirche betrafen, Landkarten und Urkunden, auch etwas über den Steiner Wald zu finden. Und siehe da, nach lagem Suchen wurde man auch fündig. Es fand sich ein Aktenstück aus dem hervorgeht, dass im Jahr 1836 die Nordheimer Familien Philipp Gruber, Jak. Wilhelm Arz, Johannes Biebesheimer, Philipp Knecht Wtw., Philipp Wetzel, Herz Ottenberg, Adam Engelhard Wtw. und Georg Lösch als einziger Hofheimer (der sein Stück wohl von Ruppert Frödert erhielt), für 977 Gulden nach langem Hin und Her ihr Eigentum von 10 Morgen und 195 Klafter, das vorwiegend aus Wiesengelände im heutigen Steiner Wald, Schlag 12, nördlich der Weschnitz, lag, an den Hessischen Staat verkauften. Diese Stücke die als ehemaliges Erbisgärtlein auch Erbsengärtlein genannt, zur Burg Stein gehörten, hatten die Nordheimer erst 1785 bei der Versteigerung des Steiner Gutes von der damaligen bischöflich wormsischen Regierung ersteigert. Zu jener Zeit war das Steiner Gut in 30 Lose oder Nummern aufgeteilt, abgesteint und versteigert worden. Jetzt gut 50 Jahre später, wollte eine andere Regierung, der Großherzog von Hessen sie wieder haben. Es war wirklich ein schlechter Preis, den die Nordheimer damals für ihre letzten knapp 11 Morgen dort erzielten, obwohl man auf diesen Stücken auch Ackerbau betreiben konnte, wie der Lorscher Oberförster attestierte. Konnte man für den Erlös zu jener Zeit gerade mal 200 Sack Getreide bekommen, die heute mit etwa 5.000,00 DM bezahlt wären.

Der Steiner Wald ist einer der jüngsten Wälder im Ried. Er ist entstanden aus der Gemarkung der Ortschaft Zullestein bzw. Stein, der vor 900 Jahren um die gleichnamige Burg existierte. Noch vor über 250 Jahren trug er, wegen seinem lichten Bewuchs, die Bezeichnung "Steiner Busch". Erst später ist er dicht zugewachsen. Allerdings keiner der Nordheimer Landverkäufer von 1836, denen man wohl auch mit dem Argument des Allgemeinnutzes den damaligen Handel schmackhaft machte, hätte sich einmal träumen lassen, dass seine Nachkommen heut den Wald kaum mehr betreten dürfen.
 

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