Als der Rhein 1929 zugefroren war


Die Erzählung älterer Nordheimer von kalten, schneereichen Wintermonaten früherer Jahre und dass vor exakt 85 Jahren sogar der Rhein zugefroren war, war Anlass noch einmal zurückzublicken.
 

Der legendäre Fritz Fauti , der länger als 30 Jahre den Fährbetrieb zwischen dem Nordheimer und Rheindürkheimer Ufer betrieben und die Gaststätte "Zum Fährhaus" begründet und bewirtschaftet hat, erzählte bei einem Plauderstündchen unserem Berichterstatter von dem seltenen Ereignis "Rhein zu, Überquerung zu Fuß problemlos möglich", an das der Verein für Heimatgeschichte Nordheim in seinen jüngst herausgekommenen Sammelblättern erinnert.

Der erprobte Fährmann hatte in einem Tagebuch Aufzeichnungen über besondere Begebenheiten und Katastrophenfalle niedergeschrieben und konnte seine Erinnerungen auf diese stützen. Danach  habe der Winter1928/29 relativ früh mit eisiger Kälte begonnen. Bereits wenige Tage vor Weihnachten habe das Thermometer 10 bis 12 Grad unter Null angezeigt, und bei diesen Temperaturen sei es den ganzen Januar hindurch bis Anfang Februar geblieben. Als man kaum noch mit strengem Winterwetter gerechnet habe, hätten am 12. Und 13. Februar  polare Luftmassen mit 23/24 Minusgraden mit verheerender Wirkung auf Süddeutschland übergegriffen. Die etwa 10 Zentimeter starke Schneedecke habe kaum Schutz geboten. Diese Kälte habe fünf Tage angehalten, danach sei die Quecksilbersäule auf minus 14 bis 10 Grad angestiegen.

Zunächst sei der Rhein bei Nackenheim, dann bei Mannheim  zugefroren, schließlich habe sich das Eis auf dem ganzen Oberrhein gestellt. Bald hätten einige besonders Waghalsige den Strom über zahllose Eisklötze hinweg nach Rheindürkheim überquert, und als das Unternehmen risikolos  geworden sei, habe der Rhein auf der Höhe des Steiner Waldes einen wahren Menschenauflauf erlebt, wie er zuvor insbesondere für Wintertage nie zu verzeichnen gewesen sei. Niemand habe sich das Ereignis entgehen lassen wollen, zu Fuß über den erstarrten Fluss laufen zu können. Schau­ und Unternehmenslustige seien aus dem ganzen Ried und sogar aus dem Odenwald gekommen. Immerhin, die Zahl der Autos habe man damals beinahe an einer Hand abzählen können. Das erst unlängst erbaute Fährhaus habe Hochbetrieb erlebt, aber dem unmittelbar am Rheinufer liegenden und von keinem Deich geschützten Gebäude habe beim Auftauen der Eismassen, mit dem man in der Nacht vom 23. zum 24. Februar gerechnet habe, natürlich eine große Bewährungsprobe bevorgestanden.

Allgemein habe man die Gewalt der circa 50 cm mächtigen Eisdecke, die stellenweise durch Aufschieben noch dicker gewesen sei, gefürchtet. Gegen Ende des Monats seien die Temperaturen  wieder unter minus  12

Grad gefallen, die zwischenzeitlich etwas mürbe gewordene Eisdecke habe sich wieder stabilisiert, und wieder hätten Hunderte den Weg über den Strom zurückgelegt. Erst am 10. März sei das Wetter umgeschlagen, und das lang ersehnte Tauwetter sei mit relativ hohen Frühlingstemperaturen eingetreten. Glücklicherweise habe es nicht den befürchteten Regen gegeben, durch den die Eisschmelze zu einer Katastrophe hätte anwachsen können. Mit mächtigem Krachen und Donnern habe sich die Eisdecke gelöst.

Am 10. März seien die Arbeiter noch zu Fuß von der Arbeit über den Rhein heim gekommen,am 11. März sei das Eis in Bewegung gewesen, und ein Kahn habe seine Insassen sicher an das linke Rheinufer gebracht. "Hat es hier auch ein Fest auf dem Eis gegeben?" lautete die neugierige Frage. An der entlegenen Fährstelle sei man darauf nicht vorbereitet gewesen. Von Karussells an anderen Orten habe er gehört, das Gerücht jedoch niemals bestätigt bekommen, erwiderte der Fährmann. ck.
 

Hier finden Sie Jobs über die Suchmaschine des Mannheimer Morgens: