Vorwort zur Bibliser Mundart

Woann zwej Biwwelser mirenoaner babbeln, doann sins 2 Männer
Woann zwoo Biwwelser mirenoaner babbeln, doann sins 2 Frauen
Woann zwaa Biwwelser mirenoner babbeln, doann isses 1 Paar (Mann u. Frau)

 

von Hans Dieter Kunz (verstorben)

In einem Artikel des Bergsträßer Echo wurde die Frage gestellt, wer ist ein echter Bibliser? Hierzu möchte ich folgendes bemerken; Das Großherzogliche Hessische Kreisamt Bensheim hat am 17. Dezember 1901 einen Staatsangehörigkeits-Ausweis ausgestellt darin heißt es wörtlich:
Dem ............. aus Biblis geb. am 4. Oktober 1879 zu Biblis wird bescheinigt, dass derselbe und zwar durch Abstammung die Eigenschaft als Hesse besitzt, analog dieses Schreibens könnte man die Frage, wer ist ein echter Bibliser beantworten. Als einen echten Bibliser ist der verstorbene Bürgermeister (Ehrenbürgermeister) von Biblis, Josef Seib zu nennen. Sein Wunsch, ein Bibliser Heimatbuch vorstellen zu können, ging durch seinen frühen Tod leider nicht mehr in Erfüllung. Er sprach gern von den mündlichen Überlieferungen der Alten und ganz besonders sprach er von der Bibliser Mundart sowie man überhaupt von einer solchen sprechen kann. 

Zur Ortsgeschichte der Heimatgemeinde gehören nicht durch das wirtschaftliche Leben, die Art und Zusammensetzung der Bevölkerung, die landwirtschaftlichen, verkehrsmäßigen, geologischen Gegebenheiten, sondern auch die Sprache der Menschen. Das Sprachgut der Väter und Mütter und deren Vorfahren kommt durch die soziologische Umschichtung mehr und mehr in Vergessenheit. Die Mundartforscher unterscheiden sogenannte Sprachlandschaften, deren Gestaltung historisch, landschaftlich und verkehrsmäßig bedingt ist - um die Hauptfaktoren zu nennen.

Man spricht von Mundartgrenzen ersten, zweiten und dritten Grades usw. Der Sprachatlas gliedert sich in 3 "Großmundarten": Niederdeutsch, Mitteldeutsch und Oberdeutsch. Als Südgrenze des niederdeutschen Sprachgebietes (Norddeutschland) gilt die "ick/ich" Linie die sich ungefähr in West-Ost-Richtung von Ürdingen (Rhein über Kassel, Marburg) erstreckt. Die beiden Hochdeutschen Sprachgebiete unterscheiden sich durch "pp" bzw. "pf". Die Dialekte mit "pf" gehören zu den oberdeutschen; die mit "pp" zu den mitteldeutschen Mundarten. 

Das "Appl"-Gebiet gehört noch zum mitteldeutschen. "Apfellinie" überquert südlich von Speyer den Rhein und zieht in nordöstlicher Richtung bis nach Thüringen, wo dieselbe fast mit der "ick" Linie zusammentrifft, von wo sie dann in südöstlicher Richtung bis zum Erzgebirge verläuft. Die Bibliser Mundart dürfte also von dem Grenzgebiet zwischen Mittel- und Oberdeutsch geprägt sein. Als "pund" Mundart - im Gegensatz zu "fund" - ist Biblis dem westmitteldeutschen Bezirk einzuordnen und als "das" Mundart - gegenüber "dat." im Mittelfränkischen - zum Rheinfränkischen zu zählen. Das Rheinfränkische unterteilt sich wieder in Südfränkisch - und Nordrheinfränkisch bzw. Rheinpfälzisch und Hessisch. Die Grenze dieser beiden Mundarten wird durch die "fescht/fest" Linie bestimmt. 

In seiner Abhandlung "Volkssprache" stellt der Mundartforscher Friedrich Maurer fest, dass Mundartbereiche hauptsächlich von den politischen Gebilden des ausgehenden Mittelalters, von den weltlichen und kirchlichen Herrschaftsräumen abgegrenzt wurden.
Politische Grenzen wirken nicht länger als 300 Jahre nach und gewinnen neue Gliederungen schon nach 40 Jahren Einfluss. Die Sprachlandschaften fallen mit den politischen Territorien der letzten 300 Jahre zusammen. Der ständig gewachsene Verkehr sowie die immer enger werdende wirtschaftliche Verflechtung bringt es mit sich, dass die Grenzen der Mundartbereiche immer verschwommener werden. Ein Hauptgrund dafür ist, dass in Industriebetrieben Menschen verschiedener Sprachlandschaften zusammentreffen.

Tatsache ist, dass es keine zwei Orte gibt mit demselben Dialekt. Ein ganz markantes Beispiel hierfür und auch für den Einfluss von Territorialgebieten in Einhausen bzw. Klein- und Groß- Hausen. Beide Orte sind nur durch die Weschnitz getrennt. Klein-Hausen war Mainzisch (katholisch). Groß-Hausen war früher zu Hessen-Darmstadt gehörig (evangelisch). In der einen Ortschaft sagt man zum Tannenzapfen "Hussel" in der zweiten dagegen "Mosmougl". 

Zu den Schwierigkeiten die Mundartgrenzen zu bestimmen, kommt in Zukunft noch hinzu die Vermischung mit den Sprachen der Heimatvertriebenen, der Ausgebombten und Neubürgern und auch der Gastarbeiter sowie der Besatzungstruppen. 

Die Heimatsprache ist was ganz Besonderes, und man sollte sich mit ihr etwas mehr befassen und auch pflegen. Wer einmal in der Fremde war und nach langer Zeit wieder heimatliche Worte vernahm, weiß dies zu schätzen, er wird diese Erinnerung sein Leben lang nicht vergessen. Das Sammeln alter Ausdrücke und Wort ist eine schöne Beschäftigung und ein angenehmer Zeitvertreib, dabei lernt man viel von den Sorgen und Nöten aber auch von den Freuden unserer Vorfahren. Man erfährt dabei so manche alte Geschichte, die es wert ist, schriftlich festgehalten zu werden, um sie unseren Nachkommen zu hinterlassen.

All denen, die mit alten Biblisern ins Gespräch kommen, möchte ich nun so verschiedene Ausdrücke aus dem Bibliser Dialekt vorstellen und für die alten Biwwelser etwas zum Schmunzeln bringen. Ich bin mir bewusst, dass nur ein kleiner Teil der Bibliser Ausdrücke von mir hier aufgeführt sind; Die meisten Ausdrücke wurden von mir in unserer Schmiede in der Bachgasse aufgenommen. Die Schmiede war im Winter ein beliebter Ort an dem das Dorfgeschehen durchgehechelt wurde. Am warmen Schmiedefeuer wurde ach so mancher angekohlt oder weiß gemacht und so manchem einen Bär aufgebunden, auch der Schabernack kam nicht zu kurz. Die Erläuterungen zu den verschiedenen Ausdrücken sind teilweise von Rudolf Kunz, Jugendheim. 

 

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