Die Synagoge der jüdischen Gemeinde Biblis

Zur Verfügung gestellt von Herrn Rudi Dörr, Biblis
 

Das erste jüdische Bethaus mit dazugehörigem Wohnhaus befand sich in der Darmstädterstrasse in Biblis. Es gehörte der Witwe des verstorbenen Calme Löw. Sie ersteigerte, nach dem Tod ihres Mannes, dieses Haus „in dem sich seit vielen Jahren die Synagoge befindet“. Das geht aus einem Schreiben des Kurmainzischen Oberamtes Bens- heim vom 27. Januar 1768 hervor.

Am 30. März 1821 reichte die jüdische Gemeinde Biblis dem Gemeindevorstand einen Antrag zum Neubau einer Synagoge in der Enggasse 6 ein. „Wegen der „engen Räume des Bauplatzes“ ver- einbarte  die jüdische Gemeinde mit dem Nachbarn Nicolaus Drackert, gegen eine Zahlung von 12 Gulden, dass der Dachtrauf anstatt 5 nur 4 Fuß beträgt und daher näher an seine Scheune gebaut werden kann.

Aber erst 11 Jahre später im Jahre 1832 wurde die neue Synagoge in der Enggasse errichtet. Sie war unauffällig den bereits vorhandenen Gebäuden der Enggasse angepasst. Der Eingang war nach innen verlegt und mit 7 Stufen versehen. Im Innenraum befand sich an der Stirnseite der Thoraschrein.  Dafür war „der Judenschaft erlaubt einen Schrank, worin dieselbe ihre Zehengebott aufbewahren zu können, an der Wand gegen Drackert anbringen zu dürfen, zu welchem ein Raum von 2 Fuß (ca. 60cm) außer der Wand erfordert wird“. Für die Frauen war eine Empore angebracht und im Untergeschoss eine Mikwe, ein rituelles Tauchbad.

Die Synagoge war, im Gegensatz zu den christlichen Kirchen, ein „Haus der Versam-mlung“. Hier wurden außer dem Gebet Beschneidungen und Trauungen vollzogen. Ebenso wurden Streitfälle innerhalb der jüdischen Gemeinde verhandelt und in schwerwiegenden Fällen auch der Eid geleistet.

Im Jahre 1848 errichtete die jüdische Gemeinde in der Enggasse 3, gegenüber der Synagoge, ein Wohnhaus das sie ihrem Kantor als Dienstwohnung zur Verfügung stellte. Die Dachgeschoss-Wohnung wurde auch über Jahre an Bibliser Bürger vermietet. Ganze 106 Jahre diente die Synagoge den Bibliser und Nordheimer Juden als Gebetshaus und jüdisches Gemeindezentrum.

Am 12.September 1938 verkauften die Bibliser Juden, vertreten durch die Vorstands-mitglieder Salomon Mayer und Sacky Steiermann, ihre Synagoge für 1.200 Reichsmark an die bürgerliche Gemeinde Biblis.

Auf Wunsch der Verkäufer wurde festgelegt, dass der Kaufpreis folgende Verwendung finden sollte: 250 RMk für Unkosten und gottesdienstliche Ausgaben der jüdischen Gemeinde, 250 RMk als Fonds für bedürftige Juden aus Biblis, 250 RMk für den Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden und die Landesjuden-schaftskasse zuDarmstadt, 200 RMk für den Friedhofsverband Alsbach und 300RMk zur Abzahlung von Rechtsverpflichtungen.

Die Übergabe erfolgte am 20. Oktober 1938.

Der Verkauf und die bereits erwähnte enge Bebauung waren wohl auch der Grund dafür, dass die Bibliser Synagoge während der „Reichskristallnacht“ am 9. November 1938 kein Raub der Flammen wurde.

Dies war jedoch kein Hindernis die Inneneinrichtung ,durch eine Standarte der SA-Brigade 50 (Starkenburg), völlig zu zerstören. Danach wurde das Gebäude durch den Reichsluftschutzbund zweckentfremdet.

Nach Kriegsende wurde eine Volksküche für Ausgebombte und Flüchtlinge eingerichtet. Kurzzeitig beherbergte  es eine Gaststätte. Anschließend war die Schreinerei Gölz Mieter des Gebäudes.

1981/82 wurde die ehemalige Synagoge, mittlerweile baufällig, im Rahmen der Erweiterung des Rathauses, abgerissen.

Heute erinnert nur noch ein Gedenkstein in der Enggasse (heute Bachgasse) an die ehemalige Synagoge.

Auf einer Fläche von etwa einem Hektar wird im „Tal der Gemeinden“ in Israel auf 107 Steinwänden der über 5000 jüdischen Gemeinden, die während der Nazidiktatur ganz oder teilweise vernichtet wurden, gedacht darunter auch der jüdischen Gemeinde in Biblis.

DescriptionSizeDate
Zeichnung Synagoge49.5 KB2014-01-17
Fotos Synagoge82.7 KB2014-01-17
Foto Gedenkstein288.0 KB2014-01-17
 
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